Der Weg zum Rubihorn – und zu mir selbst
- 22. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Sept. 2025

🏔️ Rubihorn (1.957 m)
• Start: Oberstdorf Nebelhorn Talstation
• Höhenmeter: ca. 1.200 Hm
• Weg: abwechslungsreich – durch Waldwege, steile Bergpfade und am Ende über ausgesetzte Stellen am Grat
• Schwierigkeit: technisch anspruchsvoll, im Gipfelbereich (T3–T4, kurze Kraxelstellen, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit unbedingt erforderlich)
• Charakter: eine alpine Tour mit schmalem Grat und luftigen Passagen – ein Weg, der nicht nur Kraft, sondern auch Mut verlangt
Es war früh am Morgen, noch bevor das Dorf erwachte. Um 5:30 Uhr brach ich im Dunkeln auf. Nur meine Schritte, mein Atem und die Erwartung auf das, was vor mir lag, begleiteten mich. Alles war still, friedlich – die Welt schien noch zu schlafen.
Ich stand am Anfang des Weges, noch voller Zweifel, ob ich die schwere Tobel-Route wirklich bewältigen könnte. Jeder Schritt war eine Entscheidung: Gehe ich weiter oder kehre ich um? Doch ich wusste, dass es nicht nur der Berg war, den ich bezwingen wollte – es war auch mein eigener Geist.
Dann erwachte langsam die Natur. Die Kühe auf den Almen begrüßten mich mit sanftem Glockenläuten, ein paar Esel reckten neugierig die Köpfe, Vögel flatterten durch die klare, kühle Luft. Über den Bergzügen kündigte sich der Tag an. Der Himmel färbte sich erst zart, dann golden – die Sonne stieg langsam empor.
In dieser Stille hörte ich nur das Wasser, das leise an den Felsen hinunterrauschte, das Säuseln des Windes und meinen eigenen Atem. Alles wirkte so rein, so unverfälscht. Die Welt war einfach da – ohne Eile, ohne Druck. Ich war mitten in ihr und zugleich ganz bei mir selbst.
Ich habe gekämpft – mit meinem Körper, aber mehr noch mit meinem Geist.
Jeder Schritt war ein kleiner Sieg. Manchmal zitterten meine Beine, manchmal raste mein Herz. Doch ich blieb stehen, atmete tief ein, erinnerte mich daran, warum ich hier war: um nicht nur den Berg zu bezwingen, sondern mich selbst.
Es war ein Ringen – gegen die Müdigkeit, gegen die Angst, gegen die Gedanken, die mich klein machen wollten. Ich habe gespürt, wie der Berg mich prüfte. Aber ich habe auch gespürt, dass die wahre Prüfung in mir lag.
Der Pfad forderte mich heraus. Steine, Wasser, schmale Passagen – immer wieder spürte ich, wie mein Körper kämpfte und mein Kopf mir sagte: Das wird zu schwer. Aber gerade in diesen Momenten fand ich meine innere Stimme, die mir zuflüsterte: Du bist stärker, als du denkst.
So wie ein Baum sich tief in die Erde verwurzelt, begann ich, Halt in mir selbst zu finden. Ich spürte den Boden unter meinen Füßen, das Ziehen meiner Muskeln, das Klopfen meines Herzens – und ich wusste: Solange ich verwurzelt bin, kann mich nichts so leicht aus dem Gleichgewicht bringen.
Der Aufstieg war ein Ringen – mit dem Berg, aber vor allem mit mir. Ich habe mit meinen Ängsten gekämpft, mit meinen Gedanken, die mich bremsen wollten. Doch Schritt für Schritt arbeitete ich an mir, fand Ruhe im Atem, Kraft im Vertrauen.
Und dann, irgendwann, stand ich oben. Auf dem Gipfel des Rubihorns, mit der Welt zu meinen Füßen. Ich spürte die Freiheit in mir, die nur entstehen kann, wenn man den Sturm durchlebt hat. Ich wusste: Nicht der Berg war der Gegner gewesen – sondern mein Zweifel. Und den hatte ich überwunden.
So wie der Baum auch im Sturm nicht an seinen Wurzeln zweifelt, habe ich gelernt, nicht an mir zu zweifeln. Ich habe das Ziel erreicht, weil ich daran geglaubt habe – an den Weg, an die Kraft in mir, an das Leben selbst. 🌳✨
Namaste 🙏✨ Agi




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